Der Mond hat keinen Arsch

Jeder rennt
und glaubt er müsse irgendetwas werden
irgendetwas erreichen
sich profilieren
statt einfach nur zu sein

Der Mond hat keinen Arsch auf den du wetten kannst
am Ende geht es immer nur um deinen eigenen vertrockneten Hintern
Und wenn es gelaufen ist
das
was du Leben
nennst
trauerst du jedem versäumten Fick hinterher
egal wie viel du dein eigen nennst
Es ist nichts mehr wert
wofür du dich abgestrampelt
und als Systemmarionette nur funktioniert hast
anstatt der Hölle ins Gesicht zu lachen
und den Teufel beim Poker zu bescheißen

Beschissen hast du andere
dort wo es nicht so gefährlich für dich war
deine Kunden
deine Partner
den Fiskus
deine Frau
deine Kinder

Doch so richtig beschissen hast du nur dich selbst
um all das
was am Ende wirklich zählt

Glaube mir
es ist hart zu erkennen
dass ein solches Leben nichts wert ist

Ich weiß das

©Ron Hard (Februar 2012)

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Der Clown

Ich bin der Clown in der Manege
im Zirkus ohne Artisten
ohne Publikum

Der Trommelwirbel geht ins Leere
wie meine Worte
gedacht
geschrieben
gesprochen
verstummt

Hinaus gebrüllt ins Nichts
kehren sie ungehört zurück
müde
schlaff
nutzlos
verbraucht

Manege frei
für das letzte Einhorn
die letzte Illusion
noch einmal Trommeln
ratatam
ratatam
ratatam
Schluß!

Der Tod schließt die letzte Lücke
zwischen meinen Worten und dem Nichts
Und der Clown lacht den Irrsinn
gellend durch die Finsternis

©Ron Hard, Februar 2012

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Rettungshubschrauber

Sonniger Spätsommertag
meine Hände schmerzen wieder höllisch
kann so nicht schreiben
weder tippen
noch einen Stift halten
es macht mich wahnsinnig
möchte sie abhacken
mit den Füßen schreiben
oder mit dem Schwanz
Hauptsache ohne Schmerzen

Ich laufe davon
vor meinen Schmerzen
gehe raus
in die Weinberge die schon fast reife Früchte tragen
freue mich auf den neuen Jahrgang
probiere die eine oder andere Traube
Seelengenuss

Und die Hände schmerzen weiter
und die Sätze pochen in meinem Hirn
wollen geschrieben sein

Über der Umgehungsstraße
kreist der Rettungshubschrauber des ADAC
sucht einen geeigneten Landeplatz
Morgen werde ich in der Zeitung lesen
dass ein Besoffener bei Gegenverkehr überholte
Es gab zwei Tote
zwei Schwerverletzte
unter den Toten ein Kind
sieben Jahre
der Besoffene hat überlebt
Noch
Vielleicht schlägt ihn morgen
jemand
tot

© Ron Hard

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Kurstadtgigolo

Seit ein paar Jahren läuft hier ein Typ in der Stadt herum
der mir anfangs gehörig auf die Eier ging
Irgendwie scheint für den Kerl die Zeit stehen geblieben zu sein
Immer mit akkurater Elvistolle
stets Anzug mit Weste
sogar im Sommer
im Winter einen Kamelhaarmantel drüber
den er nie zuknöpft
egal wie kalt es ist
Du siehst ihn verdammt nochmal nie eilen
immer „gemessenen Schrittes“
durch die Fußgängerzone gehen
manchmal den Pudel seiner Hauseigentümerin an der Leine

Er wirkt auf Frauen
auf die bestimmte Art von Frauen
die du beim Ball der einsamen Herzen triffst
Ob er auch dort ist weiß ich nicht
ich weiß ja nichtmal ob die Frauen dort sind
Er gibt sich blasiert
beim ersten Hinsehen
doch mittlerweile bin ich überzeugt
dass er eine Show abzieht
um sich zu schützen
um nicht zu verzweifeln

Ich hatte die Absicht ein Poem über ihn zu schreiben
doch das würde ihm nicht gerecht werden
zumindest nicht der Vorstellung die ich von seinem Leben habe

Also werde ich einen Roman schreiben
„Kurstadtgigolo“
Du wirst mir verzeihen
so sehe ich dich nun mal
und mit dem Roman fange ich heute noch an

© Ron Hard

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Leben für die Bank (Aus “Fuck the Hell!”)

Schon als du erwachst weißt du
dass es keinen Sinn macht
nicht für dich
und auch für keinen anderen
nicht heute
nicht morgen
auch nicht irgendwann
Es wird die selbe Leier sein wie immer

Du wirst aufstehen
deine Morgentoilette erledigen
frühstücken
oder nicht
und dich wieder ficken lassen
wie immer
wie jeden Tag

Ein Leben von der Stange
jeden Tag die gleichen Rituale
die gleiche Tretmühle
der gleiche Stumpfsinn

Ein Leben auf Pump
Konto überzogen
Haus abbezahlen
Leasingraten für das Auto
den letzten Urlaub abstottern

Zinsen fressen deiner Arbeit Lohn
doch du bist bereit zu zahlen
nur um dabei zu sein
da
bei
zu
sein

Aber du brauchst das
bist bei der Herde
bei der Legebatterie
für das System
und du nennst es

Freiheit

Dabei pisst du auf dein Leben
stranguliert vom nächsten Dispositionskredit
lässt du deine Seele im Dreck verrecken

Den anderen geht es auch nicht anders
die machen es doch auch so
die müssen doch auch
Ja, man muss eben

funktionieren
urinieren
fressen
scheißen
sich die Eier kratzen
oder den Hämorrhoidenarsch
oder die Möse
je nach dem
und wieder funktionieren
damit das System weiter leben kann
das System, das dich auslutscht
durchkaut
ausspuckt
und letztendlich zertritt wie eine Kakerlake

Und du dummes Arschloch
du machst mit
brav
harmlos
vertrottelt
ohne jegliche Gegenwehr
Zum Aufmucken haben wir ja die Gewerkschaften
und wenn die es nicht tun
wieso ich?
Und ausserdem beeinflusse ich ja das System
mit meiner Wählerstimme
Mein Gott!
Stopf sie dir in den Arsch,
mehr ist sie nicht wert, solange du nicht bereit bist,
zu tun was nötig ist
Nein, nicht was erlaubt von Systems Gnaden,
was nötig ist
um Mensch zu sein
statt Spielball

Du tumber Tor an der Pforte zur Hölle
schaust durch das Schlüsselloch
und wähnst dahinter den Himmel
weil die anderen
sie sind ja auch schon da
also muss es richtig sein
das muss er sein
der Himmel
der mich einlullt
mich träumen lässt
von einem Leben a la Werbe-TV

Copyright Ron Hard

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Der Neue

Am ersten Tag
begnügte er sich mit einem Rempler
und der Bemerkung,
ich gehöre mal „richtig abgeschmiert“
Ich war der Neue
und mit Neuen ging man hier so um

Am zweiten Tag
stellte er mir ein Bein
Und irgendwann hatte er mich dann am Kragen
drückte mich an eine Wand
ich bekam kaum noch Luft

Er war dreckig
und stank nach Scheiße
seine grinsende Fresse
ließ mich seine Zähne sehen
gelb, braun und schwarz
auch sein Atem stank nach Scheiße

Am dritten oder vierten Tag
schlug er mich das erste Mal zusammen
Es war auf dem Nachhauseweg
Und die anderen standen um uns herum
und johlten

Sein erster Schlag traf mich im Magen
der zweite im Gesicht
Ich ging zu Boden und er trat mir in die Eier
Er kniete auf meinem Brustkorb
und knallte mir weiter seine Fäuste ins Gesicht
die anderen johlten immer noch, feuerten ihn an
Dann rotzte er auf mich
und ließ mich liegen
Ich blutete und heulte

Von da an verdrosch er mich regelmäßig
mindestens einmal die Woche, meistens öfter
Immer auf dem Nachhauseweg
Und er wurde von Mal zu Mal brutaler
Es bereitete ihm Lust, mich winseln zu sehen

Einmal machte ich mir in die Hosen
während er mich verdrosch
was ihn zu seiner Höchstform auflaufen ließ
Er griff mir zwischen die Beine
und quetschte meine Eier
bis ich vor Schmerzen fast ohnmächtig war
Er trat mir noch ein paar Mal in den Bauch
und zog dann endlich mit der johlenden Meute ab
Ich lag noch eine Weile da
heulte und spuckte Blut

Er war einen Kopf größer als ich
fast doppelt so schwer
und er war drei Jahre älter
für mich als Elfjährigen ein Problem
Die Klasse wiederholte er zum dritten Mal
Er war allen körperlich überlegen und nutzte das aus
Ich war ein dürrer Hänfling
und hatte nur noch Angst vor ihm

So sehr ich versuchte, ihm aus dem Weg zu gehen
irgendwie erwischte er mich doch
und wenn es auf dem Schulhof war
oder im Klassenzimmer

Einmal kam unsere junge Lehrerin hinzu
als er nach der Pause im Klassenzimmer
wieder meine Eier im Griff hatte
und von mir verlangte, ich solle laut zugeben,
dass ich ein feiger Schwächling sei
Sie schaute einen kurzen Moment zu, bevor sie ihm bot
damit auf zu hören
Dabei sah sie mich mit einem seltsamen Grinsen an
und befahl mir den Platztausch mit seinem Tischnachbarn

Jetzt saß ich also auch noch mit ihm am Tisch
und war seinen Attacken und seinem Gestank auch noch
während des Unterrichts ausgeliefert
„Damit ihr euch vertragen lernt“,
hatte sie dabei lachend bemerkt
Sie war noch sehr jung
Wir waren ihre erste Schulklasse
die sie unterrichten durfte

Manchmal, wenn er mich auf dem Schulhof
oder im Klassenzimmer in der Mache hatte
sah ich sie im Hintergrund stehen und zusehen
Heute frage ich mich ob sie wohl einen feuchten Schlüpfer bekam
wenn sie sah, wie dieses Schwein mich quälte

Meine Eltern waren der Meinung
ich solle mich halt wehren
damit war das Thema zuhause vom Tisch

Nachts, in meinen Träumen
rächte ich mich an ihm
und an der johlenden Meute
und an der jungen Lehrerin
Aber der Tag hieb mir dann wieder ins Gesicht

Nach etwa einem halben Jahr
war die Tortur vorbei
Das Schuljahr war zu Ende
und er wurde entlassen
Auch die junge Lehrerin wurde versetzt
Beide sah ich nie wieder

Zwei Jahre später zog ich mit meinen Eltern aus dem Dorf fort
Und erst fünfundzwanzig Jahre später
sah ich alle wieder
zum Klassentreffen
Er war nicht dabei
Die ehemals johlende Meute schwieg
sprach das Thema nicht an
Ich auch nicht

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Okay, ich mach dann mal weiter!

Aloha Leute!

Nach meiner Ankündigung diesen Blog zu löschen, bekam ich viele Zuschriften
meiner bisherigen Leser, es nicht zu tun.
Nun gut – Ihr habt gewonnen, und ich mache weiter.
Das Gleiche gilt auch für den Blog “Old man notes”.

Ab sofort werde ich hier wieder aktuelle Texte einstellen.
Die aus der “Vergangenheit” lass ich erst mal aussen vor.
Sie sind zum größten Teil in meinem Buch “Currywurst, extra scharf!” – Aussichten vom Rande des Abgrunds
enthalten.

Also, lassen wir´s knacken Leute – ich freue mich auf Eure Kommentare.

Euer Ron

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