Am ersten Tag
begnügte er sich mit einem Rempler
und der Bemerkung,
ich gehöre mal „richtig abgeschmiert“
Ich war der Neue
und mit Neuen ging man hier so um
Am zweiten Tag
stellte er mir ein Bein
Und irgendwann hatte er mich dann am Kragen
drückte mich an eine Wand
ich bekam kaum noch Luft
Er war dreckig
und stank nach Scheiße
seine grinsende Fresse
ließ mich seine Zähne sehen
gelb, braun und schwarz
auch sein Atem stank nach Scheiße
Am dritten oder vierten Tag
schlug er mich das erste Mal zusammen
Es war auf dem Nachhauseweg
Und die anderen standen um uns herum
und johlten
Sein erster Schlag traf mich im Magen
der zweite im Gesicht
Ich ging zu Boden und er trat mir in die Eier
Er kniete auf meinem Brustkorb
und knallte mir weiter seine Fäuste ins Gesicht
die anderen johlten immer noch, feuerten ihn an
Dann rotzte er auf mich
und ließ mich liegen
Ich blutete und heulte
Von da an verdrosch er mich regelmäßig
mindestens einmal die Woche, meistens öfter
Immer auf dem Nachhauseweg
Und er wurde von Mal zu Mal brutaler
Es bereitete ihm Lust, mich winseln zu sehen
Einmal machte ich mir in die Hosen
während er mich verdrosch
was ihn zu seiner Höchstform auflaufen ließ
Er griff mir zwischen die Beine
und quetschte meine Eier
bis ich vor Schmerzen fast ohnmächtig war
Er trat mir noch ein paar Mal in den Bauch
und zog dann endlich mit der johlenden Meute ab
Ich lag noch eine Weile da
heulte und spuckte Blut
Er war einen Kopf größer als ich
fast doppelt so schwer
und er war drei Jahre älter
für mich als Elfjährigen ein Problem
Die Klasse wiederholte er zum dritten Mal
Er war allen körperlich überlegen und nutzte das aus
Ich war ein dürrer Hänfling
und hatte nur noch Angst vor ihm
So sehr ich versuchte, ihm aus dem Weg zu gehen
irgendwie erwischte er mich doch
und wenn es auf dem Schulhof war
oder im Klassenzimmer
Einmal kam unsere junge Lehrerin hinzu
als er nach der Pause im Klassenzimmer
wieder meine Eier im Griff hatte
und von mir verlangte, ich solle laut zugeben,
dass ich ein feiger Schwächling sei
Sie schaute einen kurzen Moment zu, bevor sie ihm bot
damit auf zu hören
Dabei sah sie mich mit einem seltsamen Grinsen an
und befahl mir den Platztausch mit seinem Tischnachbarn
Jetzt saß ich also auch noch mit ihm am Tisch
und war seinen Attacken und seinem Gestank auch noch
während des Unterrichts ausgeliefert
„Damit ihr euch vertragen lernt“,
hatte sie dabei lachend bemerkt
Sie war noch sehr jung
Wir waren ihre erste Schulklasse
die sie unterrichten durfte
Manchmal, wenn er mich auf dem Schulhof
oder im Klassenzimmer in der Mache hatte
sah ich sie im Hintergrund stehen und zusehen
Heute frage ich mich ob sie wohl einen feuchten Schlüpfer bekam
wenn sie sah, wie dieses Schwein mich quälte
Meine Eltern waren der Meinung
ich solle mich halt wehren
damit war das Thema zuhause vom Tisch
Nachts, in meinen Träumen
rächte ich mich an ihm
und an der johlenden Meute
und an der jungen Lehrerin
Aber der Tag hieb mir dann wieder ins Gesicht
Nach etwa einem halben Jahr
war die Tortur vorbei
Das Schuljahr war zu Ende
und er wurde entlassen
Auch die junge Lehrerin wurde versetzt
Beide sah ich nie wieder
Zwei Jahre später zog ich mit meinen Eltern aus dem Dorf fort
Und erst fünfundzwanzig Jahre später
sah ich alle wieder
zum Klassentreffen
Er war nicht dabei
Die ehemals johlende Meute schwieg
sprach das Thema nicht an
Ich auch nicht